„Wenn Donner und Licht sich berühren“ von Brittany C. Cherry | Rezension

Vor knapp 2 Jahren habe ich „Wie die Luft zum Atmen“ von Brittany C. Cherry gelesen und war enttäuscht. An ihren Büchern kommt man dennoch nirgends vorbei, im deutschsprachigen Bookstagram ist sie sehr beliebt sowie im englischsprachigen auch. Aber besonders in den Buchhandlung läuft man im New Adult Bereich an ihr vorbei. Mein Erlebnis auf der FBM 2018: ich saß in einem kleinen Durchgang zwischen zwei Ständen, auf einmal laufen 2 Securityguards an mir vorbei, gefolgt von 2 Geschäftsmännern und einer Frau. Die Männer sahen mich alle komisch an, von wegen „Warum sitzt hier jemand?“. Ich vollbepackt mit meinen Tüten und 20 Büchern, wollte einfach nur mal verschnaufen und mich ausruhen. So kam ich mit den beiden Geschäftsmännern in’s Gespräch, die fragten ob es mir gut ginge und ich ihnen versicherte, dass ich lediglich meine Beine ausruhen muss. Die Frau lächelte mich die ganze Zeit freundlich an. Es stellte sich am Ende heraus, dass ich sozusagen „backstage“ saß, wo die ganzen Autoren zu ihren Signierstunden geführt wurden und ich eben mal locker, flockig einen niedlichen Moment mit Brittany C. Cherry hatte.

„Wenn Donner und Licht sich berühren“ stand nie auf meiner Wunschliste, geschweige denn hatte irgendwie mein Interesse geweckt. Es war wieder einmal Liz von https://www.instagram.com/verzauberteworte/ , die mich influenced hat dieses Buch zu kaufen. #dankeliz Das Cover ist wie immer ein Traum und unglaublich schön geworden. Das Buch erstrahlt in einem wunderschönen Pastelblau und verläuft zu einem verträumten rosigen Ton. Die Titelansetzung finde ich sehr gut. Mein Highlight sind die kleinen Vögel, die mittendrin zum Vorschein kommen.

Wir verfolgen in diesem Buch die Geschichte von Jasmine, kurz Jazz, und Elliot. Das Buch ist in 2 Teile aufgeteilt. Im ersten Teil verfolgen wir die beiden 16-jährigen durch die Zeit an der Highschool. Jasmine’s Zufluchtsort und Paradies ist die Schule, was fast schon absurd ist, da die meisten Kinder heutzutage nicht sagen würden, dass ihr Lieblingsort eine Schule sei. Für Jasmine ist es jedoch eine Auszeit von ihrer Mutter. Um es auf den Punkt zu bringen: Jasmine’s Mom beschimpft sie durchgehend, redet ihrer Tochter kontinuierlich ein, dass sie niemals genug sein werde. Die Mutter sorgt also genau dafür, dass Jasmine sich nie selber akzeptieren könnte. Es besteht nicht einmal die Chance dazu, dass Jasmine sich ein Selbstbewusstsein aufbauen könnte, da sie unter dem ständigen Druck und Terror ihrer eigenen Mutter steht. Denn für Jasmine’s Mutter zählt nur eines: aus ihrer Tochter einen Pop-Star machen. Egal was es kostet. Doch Jasmine’s Herz schlägt schon immer für Soul, nicht für Popmusik. Somit steht sie im weiten Konflikt mit ihrer Mom, die dies nicht akzeptieren möchte und ihre Tochter nur als Marke sieht, nicht als Mensch.

Elliot ist ebenfalls mit Musik aufgewachsen. Sein Onkel TJ (eigentlich nur ein Nachbar, aber durch jahrelange Freundschaft sehen sie sich beide selber als Neffe und Onkel) lehrte ihn das Saxophon spielen. Sein Onkel TJ (eigentlich Theodore James) erklärt ihm die Welt der Musik und so verliert und verliebt sich auch Elliot in den Soul. Elliot jedoch führt kein einfaches Leben. Er lebt zusammen mit seiner Schwester Katie und seiner Mutter Laura in einem kleinen haus. Sein Vater hat ihn schon als der noch ein Kind war verlassen. Elliot ist ein schüchterne, schmaler Junge, der alles versucht um nicht aufzufallen. Seine größte Schwäche: das Stottern. Er ist ein wahnsinnig lieber, ehrlicher Junge mit einem großen Herz. Dennoch machet sich das eine Clique Jungs aus der Schule zu Nutze und schikanieren ihn. Es ist sogar so schlimm, dass sie handgreiflich werden und Gewalt bei ihm anwenden. Elliot traut sich nicht mit jemandem darüber zu sprechen oder das Gespräch bei einem Lehrer zu suchen. Er lässt es all die Jahre über sich ergehen, um auch Katie damit zu schützen. Bis eines Tages Jasmine einfach so auf ihn zukommt.

Die beiden freunden sich an, doch die Schikane der Jungs wird immer schlimmer und Elliot muss immer mehr ertragen. Jasmine geht sowas wie einen Deal ein und willigt dazu ein mit den Jungs aus der Clique auf Partys abzuhängen und sie sexuell zu befriedigen. Ein ganz schlimmer Kritikpunkt für mich und ich wünschte mir, dass die Autorin Jasmine zumindest in diesem Punkt etwas mehr Intelligenz verliehen hätte. Einen 16-jährigen, weiblichen Charakter so darzustellen, als wäre sie einem Jungen Sex schuldig oder würde damit die Gesamtsituation bessern. Come on. So schlau wäre auch Jasmine gewesen.

Der erste Teil im Buch war trotzdem sehr tu beschrieben. Brittany C. Cherry hat ein großes Talent dafür ihre Figuren zu beschreiben, sodass sie nachvollziehbar, logisch und sinnvoll sind, auch wenn sie falsche Entscheidungen treffen. Sie hat ihre Worte weise gewählt und ich konnte sowohl Jasmines als auch Elltios Charakterverlauf klar nachverfolgen. Für mich war es bis zum 2. Teil des Buchsen klares 5 Sterne Buch. Es war emotional, es hat Sinn ergeben und man konnte eine Beziehung zu den Charakteren aufbauen, und sie in sein herz zu schließen.

Der 2. Teil setzte 6 Jahre nach einem tragischen Ereignis an, in denen sich Elliot und Jasmine aus den Augen verloren haben und seitdem keinen Kontakt mehr zueinander hatten. Als Leser hoffte man hier natürlich auf eine große Reunion, mit jede Menge Gefühl. Es stecke die Frage dahinter, wie das erste Aufeinandertreffen der beiden wohl aussehen würde. Doch im 2. Teil verlief alles ziemlich ruhig. Es gab kein großes Drama, das große Wiedersehen der beiden wurde eher flach gehalten und die Geschichte verlor ein bisschen an ihrer Besonderheit. Mir fehlte der rote Faden. Ich sah nicht mehr wirklich durch, auf einmal waren viele Charaktere auf einem häufen, die alle was zu sagen hatten und für Verwirrung sorgten. Natürlich würde es ein happy Ending geben, dass war mir von Anfang an klar und so sah auch der gesamte 2. Teil des Buches aus. Man wartet nur darauf, dass die Geschichte endlich zu Ende ging und die beiden Hauptprotagonisten endlich einmal zur Ruhe kommen würden. Ich fand das Ende in Ordnung. Es war vorhersehbar und nichts besonderes. Und auch ein wenig hektisch, durch die vielen Zeitsprünge.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Es war eine nette Geschichte für zwischendurch, mit einigen Kritikpunkten. Brittany C. Cherry hat ein gutes Buch geschrieben. Ich fand es interessant, dass sie Themen wie Erwartungshaltungen und Umgang mit Verlust und Trauer behandelt hat. Die Autorin hat einen sehr gefühlvollen, zarten Schreibstil und sie bildet Sätze, die in einem Ratgeber stehen könnten. Ich werde Brittany C. Cherry nochmal eine Chance geben, auch wenn sie mich immer noch nicht zu 100% überzeugen konnte. Von mir bekommt dieses Buch 3 von 5 Sternen.

♥   ♥   ♥

Verlag: LYX (Bastei Lübbe)  

Seitenanzahl: 384

Preis: 12,90€

Einbindung: Paperback

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